Kanu- und Skigesellschaft 1921 e.V.
Mainz-Mombach


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Berichte


Garmisch-Partenkirchen = sechs Personen, fünf Zehen Knoblauch, vier Boote, drei Flüsse, zwei Zelte,

Der Wetterbericht sollte Recht behalten, in seiner Vorhersage, es solle ein trockener Samstag werden und die Sonne war auch schon aufgestanden, als sich unsere Crew um die zwei Kleinwagen sammelten. Dennis, Pascal, Frederick, Massimo, Felix K. und Mark beluden im Handumdrehen Corsa und Golf und vier Boote fanden bequem auf den Dächern platz. Was um sieben Uhr begann, war zwei Stunden später schon wieder vorbei und die fünfstündige Reise nahm ihren Lauf, ohne weitere Vorkommnisse (dank Navi) bis ins schöne Garmisch-Partenkirchen, genauer gesagt in Grainau, direkt an der Loisach.



Hier wurden zwei Zelte aufgeschlagen und der angrenzende Aldi sowie der Getränkemarkt überfallen. Um die müden Glieder noch kurz vorm Schlafengehen zu strecken, machten sich Felix und Mark gleich auf, den Wildwasserklassiker Loisach mit Griesenschlucht zu bezwingen. Nach ein paar Besichtigungen vom Ufer aus und einigen Gesprächen mit Einheimischen über die Befahrbarkeit, erreichten die beiden endlich den Einstieg und machten sich daran die Einer zu schultern. Glücklicherweise entschloss sich eine Gruppe Ansässiger zur gleichen Zeit zu fahren wie wir, sodass wir uns anschließen konnten und uns die Ideallinie bei „Dom“ und „Treppenhaus“ vorgepaddelt wurde. Bis auf ein kleines Missverständnis der Kommunikation zwischen den beiden Mainzern, wurde der Bach konsequent bezwungen und bei leichtem Hochwasser gemeistert. Bei Ankunft am Zeltplatz wurde denn ein halber Kasten Radler, halbkochendes Nudelwasser und feinste Tomatensoße mit Zwiebeln und Knoblauch vorgefunden. Es dauerte allerdings noch bis in die späten dunklen Stunden bis das Wasser gekocht hatte und die Nudeln gar waren, sodass wir gezwungen waren, blind zu essen und zu trinken. Spülen fiel dementsprechend auf den nächsten Morgen und wurde durch eingetrocknete Soßenreste nicht gerade vereinfacht.
Nachdem denn auch gefrühstückt und wiederum gespült war, hieß es aufsatteln und ab nach Scharnitz. Dieses beschauliche Dörfchen auf österreichischer Seite bietet Wanderern, Bikern und natürlich auch uns Paddlern ideale Vorraussetzungen unseren jeweiligen Sport durchzuführen. Einziges (Sch)Mankerl: Der Ausstieg ist gleichzeitig der Einstieg...und zwar ins Taxi. Auf einer großen Wiese am Ausstieg werden die Autos platziert, ein Taxi mit Hänger geordert und dieses befördert die wackeren Kadetten hinauf in den Wald in unglaublichem Tempo vorbei an Bikern und Spaziergängern. Was sich zuerst nach Geldmacherei anhört, entpuppt sich spätestens auf dem zweieinhalb Meter breiten Waldpfad als schnelle lebensrettende, wenn auch nicht nervenschonende Maßnahme. Nachdem der Puls wieder auf normales Niveau gesunken war, ging es denn auch gleich zu Wasser unter gespannten Blicken des Wandervolkes. Blickfang war wie seit Jahren schon unser Topo Duo-Geschwader. Da die Isar wenig Kehrwasser bietet und sehr schnell fließt, hieß es die Mannschaft beisammen zu halten ohne den eigenen Aktionsradius im stark versteinten Flussbett zu verlieren. So wurde denn auch die Isar-Schlucht binnen gefühlten zwanzig Minuten durchfahren und am Ende derselben kurz Rast gemacht. Hiernach sollten die Schwierigkeiten abnehmen und der landschaftliche Aspekt voll zum Tragen kommen. Tief eingeschnitten verlief der Fluss zuerst an Gesteinsplatten rechts und links entlang, mit kleinen Höhlen, Wasserfällen und irrwitzig gewachsenen Bäumen. Hiernach folgte ein bewaldetes flacheres Stück mit dem Highlight „Schleierfälle“. Einem bemoosten Felsen über den das kalkhaltige Wasser strömt und viele fadenartige Wasserlinien erzeugt. Das Moos wird bei dem Prozess über die Jahre durch den abgelagerten Kalk versteinert und dem Felsen angegliedert. Darauf wächst neues Moos und der Kreis schließt sich. Leider reichte Massimos technisches Vorwissen nicht aus, die Kamera für dieses Naturschauspiel vorzubereiten und verpasste leider den Moment.



Nach kurzem wurde denn auch die Ausstiegstelle an der Wiese gefunden und die Autos wieder beladen. Das Wetter war uns leider hier nicht so hold, es regnete den Tag über hin und wieder und die Sonne versteckte sich hinter dicken Wolken. Dem witzigen Gemüt der Truppe machte dies wenig, als sie sich, wenig später daheim angekommen, spontan entschlossen, das ansässige Wellenbad in Garmisch zu besuchen. Für die letzten zwei geöffneten Stunden wurden Wellengang, langsame Kurven- und rasante Steilrutsche sowie die Srungbretter aus einem bis fünf Meter Höhe unsicher gemacht. Ob Zeitrekord im Sologang oder im Viererbob fast über die obere Randbegrenzung und anschließender Massenkarambolage im Zielbereich, wir hatten die zwei besten Stunden, die man auserhalb des Kajaks im Regen haben konnte.





Wieder daheim angekommen wurde der Kocher anschmissen und sich einen feinen mexikanischen Bohneneintopf mit Brot gezaubert. Das Abendessen wurde sogar vor dem Einsetzen der Dunkelheit vollbracht, sodass der Abend gemütlich bei Bier, Radler und Brot ausklang.
Da wir bis jetzt nicht einen einzigen Schwimmer hatten, beschlossen die Flussgötter uns am Montag besonders zu testen. Gerade von den alten Hasen wurde hier viel verlangt und abgefragt.
Was soll ich sagen, die Ammer ist ein sehr schöner Fluss. Hauptsächlich in zweiter Stufe zu kategorisieren, mit leicht unfairen dreier Stellen, die es bei dem Wasserstand schon etwas in sich hatten, aber von vorne:
Laut Bericht sind die ersten fünfhundert Meter etwas schwer. Als erstes kommt die „Scheibum“, eine Querströmung mit leicht unsauberem Unterwasser, es folgt ein Nadelöhr mit Querströmung und ein halber Meter Abfall, der etwas unerwartet auftaucht. Man darf sich nicht alles in unmittelbarer Nähe vorstellen, sondern vielmehr schön verteilt auf die fünfhundert Meter, die in langen Serpentinen sich durch die Gebirgsschichten fressen. Mark und Massimo im Video-Topo vorne weg meistern die Stelle mit leichtem Stützen, landen nach der „Scheibum“ an und positionieren sich mit Kamera und Wurfsack um den Rest der Bande zu sichern. Zuerst versucht Freddy sein Glück, wird aber von der Querströmung erfasst und muss sein Boot unfreiwillig verlassen. Sein Bruder, dicht hinter ihm, umfährt die Stelle kluger Weise und darf eine Runde länger im Sattel bleiben. Der eigentlich sicherste Kandidat, zweiter Topo (mit Dennis und Felix) fährt gut an, wird unerklärlicher weise von der Querströmung erfasst und umgeworfen. Somit schwimmen zwei Boote und drei Paddel, sowie drei Personen, ein kompletter Satz „Kajak“ liegt im Kehrwasser und ein kompletter Satz liegt am Strand, der eine Teil ein Seil mit Freddy am Ende und ein Teil auf dem Felsen mit der Kamera in der Hand. Der erste Topo wird schnellstmöglich startklar gemacht um dem Material hinterher zu hechten. Freddys Einer wird von Felix schnellstmöglich besetzt, sodass sich zwei Rettungsboote durch das Nadelöhr pressen um den zweiten Topo zu suchen. Der Rest erholt sich vom ersten Schock, sammelt angespültes Material ein und sucht eine Möglichkeit den anderen hinterher zuklettern. Glück im Unglück, der Topo liegt mitten im Fluss, quer zur Strömung auf einem Stein, anscheinend relativ fest. Wie soll man da jetzt rankommen? Mark steigt aus, lässt Massimo fest im Kehrwasser das Schlachtschiff sichern, und versucht an den Zweier heranzukommen. Felix fährt mit dem Einer auf der anderen Seite in ein kleines Kehrwasser, somit wäre der Topo schon mal umzingelt. Der Plan war, den Topo mit einem Wurfsack zu sichern, ihn vom Felsen zu befreien und ihn dann in ein Kehrwasser zu schlingern, um ihn wieder fahrtüchtig zu machen. Gesagt getan, der Wurfsack wird von Felix zu Mark gebracht, der sich mittlerweile auf einer Insel mitten im Bach neben dem Topo befindet. Befestigung des Wurfsacks mittels Karabiner (mitten in der Strömung!!) am vorderen Griff und aushebeln des Bootes vom Stein, sodass Felix ihn auf seiner Seite einfangen kann. Boot gerettet, bleiben die Fahrer. Wieder zurück zum Nadelöhr, die Jungs haben sich mittlerweile erholt und positioniert um das Nadelöhr zu umschwimmen. Nach mehreren Anläufen und sehr guten Wurfsackwürfen von Felix wurden denn die drei Schwimmer eingesammelt und der übrig gebliebene Einer von Mark umgesetzt. Kurzes Durchzählen...Mist ein Paddel fehlt, doch ein kurzer Blick in den folgenden Flusslauf lässt es im nächstgelegenen Kehrwasser aufleuchten, sodass es von Mark kurzerhand wieder eingesammelt wurde. Endlich wieder vollständig und gute zwei Stunden später wurde die Fahrt fortgesetzt. Aber nicht lange musste der nächste Schwimmer auf sein Glück warten. Der oben genannte Abfall erschien ziemlich plötzlich in einer längeren Geröllstrecke die gut Wasser führte. Massimo als Speerspitze wurde plötzlich um einen guten halben Meter nach unten versetzt, dafür Mark als Hintermann einen halben Mater in die Luft. Mit grossen Augen und einem letzten Luftzug wurde kurz eingetaucht und über den Rücklauf der Walze geflohen. Pascal hatte weniger Glück, er kam zwar gut durch die Walze aber durch zu wenig Geschwindigkeit am Anfang, fraß in der Rücklauf, man sah einen kleinen Salto rückwärts und dann ein Paddel, ein Helm und ein Boot separat im Wasser. Alarmiert durch seinen Bruder, hämmerte Freddy die letzten Meter vor der Walze sein Paddel ins Wasser und konnte, genauso wie der zweite Topo die Walze am Stück verlassen. Während der Rettungsaktion durch Felix, gingen zwei folgende Schweizer baden, die dann wieder durch Mark gerettet werden mussten. Eine kurze Gummibärchen-Pause füllte den Zuckerpegel und die Endorphin-Ausschüttung und senkte den Adrenalinspiegel. Hiernach ging es durch sportliches Wildwasser, ohne zu schwer zu werden, mit schönen Wellenbahnen und Kehrwässern. Kurz vor Ende erschien direkt hinter einer Linkskurve ein stark versteintes Gefälle mit leichten Verquerungen und kleinen Walzen. Lauffolge der Boote wurde kaum geändert, Rettungszweier Mark/Massimo vorne weg, Pascal, Freddy und Einsammeltrupp Felix/Dennis. Kurz vor durchfahren dieser Stelle befand sich ein kleiner fieser Stein, unsichtbar, im Unterwasser und alle vier Boote schrammten über ihn, nur einer hatte Pech und hatte zu weit aufgekantet und wurde gekentert...ja es war Pascal. Der Arme machte seinen Armen alle Ehre und rettete sich wieder ans Ufer, der Rest kümmerte sich ums Material. Leicht angesäuert wurden die nächsten drei Kilometer das witzige „Wie-lange-dauert-es-noch-Spiel“ gespielt zum Leidwesen der ebenfalls unwissenden Trainer. Am Ende wurde vom Video-Topo noch ein Schrägwehr befahren, dass die anderen lieber umtrugen und sicherten sich so den Videobeweis mit auf dem Bach gewesen zu sein. Nach folgenden achthundert Metern wurde die Tour unterhalb einer Straßenbrücke beendet. Aber nicht dass man jetzt schon in Entspannung und fröhlichem Geschrei ausbrechen konnte, nein, denn der Proviant für das Abendessen war noch nicht eingekauft, Marks Tank war auf roter Lampe und alles in allem noch eine knappe dreiviertel Stunde Zeit zum Umsetzen, Aufladen und Einkaufen gehen hatten. Ja was soll man sagen, optimale Ehrziehung der „Kleinen“, optimale Fahrkünste der „Alten“, ein zum Glück offener Netto in Oberammergau (Stichwort Passionsfestspiele), feinste Grillwürstchen beziehungsweise Steaks und Sternschnuppen über dem sternenklaren Himmel des Campingplatzes machten den Abend doch noch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Sehr lobend für uns, alle Wurfsäcke erreichten beim ersten Wurf ihr Ziel und das gesamte Material wurde wieder mit nach Hause gebracht.



Nachdem Montag als Tag der 8 Schwimmer in die Annalen einging, waren die Jungs wenig fürs Paddeln zu überzeugen und somit wurde ein Wandertag eingeplant, mit dem Ziel der Zugspitze möglichst nahe zu kommen.

















Mit einem KSG-vernünftigen Plan von fünfeinhalb Stunden Rundweg, ausgehend von siebenhundertachtundfünfzig Meter über Normal Null in Grainau über die Höllental-Angerhütte in Eintausenddreihunderteinundachtzig Metern Höhe, hoch zum Hupfleitenjoch (Eintausendsiebenhundertundsechs Meter ü. NN) und wieder hinunter über das Kreuzeck in Eintausendsechshundertundeinundfünfzig Metern nach Hause zum Zelt in Grainau.



Zwischendrin haben wir eine wunderschöne Klamm besucht mit seinem einzigartigen Flusslauf und Wasserfällen. Im letzten Drittel verpasste Dennis den gut fünfzehn Centimeter hohen Kuhfladen nicht und traf ihn zielsicher zum Glück nur mit seinem Schuh. Dies bescherte den Schuhen eine kostenfreie Vollwäsche und dem Team eine Topstory zum lautstarken Gelächter mehr. Dennoch sollte die Wanderung über Stock und Stein spätestens am Abend des selbigen Tages seinen Tribut fordern, denn außer fingergroßen Blasen an den Füssen, machte sich schnell ein feiner extrem starker Muskelkater, vor allem in den Oberschenkeln breit. Wir nehmen dies als Anlass der jährlichen Vereinswanderung öfter beizuwohnen und die faulen Schenkel öfter mal zu schwingen. Die Nacht sowie die Nachtruhe (abgesehen vom Schnarchen) kehrte wie zu erwarten relativ schnell ein.
Diese wurde dann auch wieder um viertel vor sieben durch Freddy gestört, der einen extremen Drang hatte nach Hause zu kommen. Schlecht für uns war, dass, nachdem es die beiden Nächte und Tage zuvor nicht oder kaum geregnet hatte, gerade die Abreisenacht uns mit Regengüssen eindeckte, sodass alles wieder nass wurde. Dies tat dem Elan des Aufbruchs aber kein Ende und so wurde wiederum in Rekordzeit die Zelte gepackt und verstaut, sodass um Punkt acht Uhr morgens das restliche Pfand wieder in Geld umgewandelt werden konnte und wir um halb neun starteten. Ankunft daheim war genau fünf Stunden später, dank freien Strassen und die Routine mit entladen, Boote putzen, Heim düsen und duschen nahm seinen Lauf.

Ich darf mich wie immer bei allen bedanken für ihr diszipliniertes Verhalten und freue mich auf zukünftige Touren,

euer Bademeister

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